Interkulturelle Inszenierungen

Seit 2004 setze ich mich mit dem Thema Interkultur im Puppentheater auseinander.
Lag der Schwerpunkt anfangs auf der Erarbeitung von bilingualen Stücken, so trat bei der letzten Inszenierung „Die verliebte Wolke” die Vermittlung einer anderen Kultur und die Zusammenarbeit mit türkischen Künstlern in den Vordergrund. Zielgruppe dieser Inszenierungen sind Kinder von vier bis zehn Jahren und deren Eltern, wobei der Schwerpunkt auf Zuwandererfamilien liegt.

Konzept der deutsch-türkischen Stücke
Die Inszenierungen haben das Ziel, die unterschiedliche Herkunft und Sprache der Zuschauerkinder in das Stück einfließen zu lassen. So werden die besonderen Kompetenzen der zweisprachig aufwachsenden Kinder in den Vordergrund gestellt und einmal nicht ihre Defizite. Der Gebrauch den türkischen Sprache im Theaterstück kann dabei von allen Kindern - nicht nur den türkischen - als Wertschätzung der anderen Kultur erlebt werden.

Für das Stück werden die wichtigsten Textpassagen ins Türkische übersetzt. Das sind zum einen die Kernsätze, die zum Verstehen des Inhaltes unabdingbar sind, und zum anderen Ausrufe, Begrüßungen und Gefühlsäußerungen, die als emotionale Verstärkung dienen sollen.
Die zwei Sprachen im Stück werden dabei so miteinander verzahnt, dass die Zuschauer die verschiedenen Sprachen nicht als störend wahrnehmen, sondern dass sie meinen, alles zu verstehen. Der Anteil der deutschen Sprache liegt dabei etwa bei 90 Prozent, der Anteil der türkischen Sprache bei 10 Prozent.

In der Fachzeitschrift „Puppen, Menschen und Objekte” 2007/1 Heft 96 schildere ich meine Erfahrungen mit den bilingualen Stücken.

Aspekte der türkisch-osmanischen Kultur in der Inszenierung
„Die verliebte Wolke”
In dieser Inszenierung geht darum, das Märchen „Die verliebte Wolke” in seinem kulturellen Kontext zu zeigen und erfahrbar zu machen.

Das Märchen stammt von dem türkischen Dichter und Dramatiker Nazim Hikmet (1902 – 1963), der als Begründer der modernen türkischen Lyrik gilt.
In poetischen Bildern erzählt er hier von der unersättlichen Gier Einzelner und der Kraft von Freundschaft und Liebe.
So zeitlos und allgemeingültig die Aussagen des Märchens sind, so stark ist es andererseits durch seinen türkisch-osmanischen Wurzeln geprägt. In der Inszenierung kommt dies durch eine intensive Kooperation mit türkischen Künstlern bei der Musik und Ausstattung zum Tragen.

Interkulturelle Kompetenz 
Zum ersten Mal kam Marianne Schoppan mit der türkischen Kultur und Sprache in Berührung, als sie von 1977 bis 1982 in einem deutsch-türkischen Kinderclub in Berlin-Kreuzberg arbeitete. Sie reiste dann häufig in die Türkei und erlernte die türkische Sprache in Grundzügen. In den letzten Jahren vertiefte sie ihre Türkischkenntnisse noch einmal am Spracheninstitut DSI.